Zwischen Rückblick und Ausblick, was unsere Psyche jetzt braucht
- yvonnebuttet

- 29. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Die Zeit rund um den Jahreswechsel fühlt sich für viele Menschen besonders an.
Der äussere Trubel nimmt ab, der Kalender leert sich und innerlich entsteht Raum.
Ein Raum zwischen dem, was war, und dem, was kommen soll.
Psychologisch gesehen ist diese Phase kein reiner Neuanfang, sondern ein Übergangszustand. Unsere Psyche nutzt diese Zeit, um zu sortieren, zu verarbeiten und sich neu auszurichten. Nicht laut, nicht spektakulär, sondern leise und tief.
Der natürliche Impuls zum Rückblick
Gegen Ende eines Jahres beginnt unser inneres System automatisch zu reflektieren:
Was hat mich dieses Jahr geprägt?
Wo habe ich mich verändert?
Was hat Kraft gekostet?
Was durfte gehen?
Was ist geblieben?
Dieser Rückblick ist kein Grübeln, sondern ein gesunder psychologischer Prozess.
Er hilft unserem Gehirn, Erfahrungen zu integrieren und emotional abzuschliessen.
Wer sich diesen Rückblick erlaubt, ohne Bewertung, ohne „hätte ich nur“, schafft innerlich Ordnung. Und Ordnung ist die Voraussetzung für Entwicklung.
Warum nicht jede*r jetzt nach vorne blicken kann
Während gesellschaftlich oft von Zielen, Motivation und Neuanfang gesprochen wird, fühlt sich ein Teil der Menschen müde, leer oder orientierungslos. Das ist kein Mangel an Willenskraft. Es ist ein Zeichen dafür, dass die Psyche noch mit Verarbeitung beschäftigt ist.
Emotionen brauchen Zeit.
Veränderungen brauchen innere Sicherheit.
Nicht jede Phase ist eine Phase des Aufbruchs.
Manchmal braucht die Psyche zuerst:
Ruhe
Stabilität
Anerkennung dessen, was war
Was unsere Psyche jetzt wirklich braucht
1. Anerkennung statt Optimierung
Nicht alles muss besser werden. Manches darf einfach verstanden werden. Sich selbst anzuerkennen, mit allen Höhen und Tiefen, wirkt regulierend auf das Nervensystem.
2. Realistische Ausblicke statt perfekter Vorsätze
Statt grosser Ziele helfen ehrliche Fragen:
Was brauche ich mehr?
Was brauche ich weniger?
Was möchte ich schützen?
Was darf sich langsam verändern?
Nachhaltige Veränderung beginnt dort, wo Druck endet.
3. Integration statt Abbruch
Psychologisch gesunde Entwicklung bedeutet nicht, Vergangenes abzuschneiden.
Sie bedeutet, es mitzunehmen, ohne daran festzuhalten. Erfahrungen verlieren ihre Schwere, wenn sie einen Platz bekommen.
4. Selbstmitgefühl als innere Haltung
Der Jahreswechsel ist ein guter Moment, die innere Stimme zu überprüfen:
Wie spreche ich mit mir?
Bin ich streng oder verständnisvoll?
Erlaube ich mir Pausen?
Selbstmitgefühl ist kein Luxus, es ist psychische Stabilität.
5. Orientierung nach innen
Nicht jede Antwort liegt im Aussen. Gerade jetzt lohnt es sich, die Aufmerksamkeit nach innen zu richten:
Was fühlt sich stimmig an?
Was erzeugt inneren Widerstand?
Wo entsteht Weite?
Unsere Psyche weiss oft früher als unser Verstand, wohin es gehen darf.
Der Übergang als wertvolle Phase
Zwischen Rückblick und Ausblick liegt eine Phase, die wir oft übergehen.
Dabei ist sie essenziell. Hier dürfen wir:
langsamer werden
loslassen
uns neu sortieren
Erwartungen relativieren
innerlich ankommen
Nicht, um perfekt ins neue Jahr zu starten, sondern um ehrlich weiterzugehen.
Fazit
Der Jahreswechsel verlangt nicht nach neuen Versionen von uns. Er lädt uns ein, bewusster mit uns selbst zu sein. Zwischen dem, was war, und dem, was kommt, liegt ein Moment der Klarheit. Und vielleicht ist genau das, was unsere Psyche jetzt braucht, kein Vorsatz, kein Plan und kein Druck, sondern Aufmerksamkeit.



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