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Die Angst zu versagen – warum sie so mächtig ist und wie wir ihr begegnen können

  • Autorenbild: yvonnebuttet
    yvonnebuttet
  • 20. Aug. 2025
  • 2 Min. Lesezeit
Die Angst zu versagen – warum sie so mächtig ist und wie wir ihr begegnen können

„Was, wenn ich es nicht schaffe?“

„Was, wenn ich enttäusche?“

„Was, wenn ich nicht gut genug bin?“


Die Angst zu versagen ist eine der tiefsten und ältesten Ängste des Menschen. Sie kann uns antreiben, über uns hinauszuwachsen oder uns blockieren, bevor wir überhaupt anfangen.


Doch was genau steckt hinter dieser Angst? Und wie können wir lernen, mit ihr umzugehen?


Was ist Versagensangst eigentlich?


Versagensangst ist die Furcht vor negativen Konsequenzen des Scheiterns, sei es Ablehnung, Scham, Kritik oder das Gefühl, nicht wertvoll zu sein.

Sie tritt besonders dann auf, wenn wir hohen Erwartungen ausgesetzt sind, von aussen oder von uns selbst.


Psychologisch betrachtet mischen sich hier mehrere Komponenten:


  • Kognitive Ebene: Katastrophisierende Gedanken („Wenn ich scheitere, ist alles vorbei.“).

  • Emotionale Ebene: Gefühle von Scham, Unsicherheit, Ohnmacht.

  • Körperliche Ebene: Stressreaktionen wie Herzklopfen, Zittern, innere Anspannung.

  • Verhaltens-Ebene: Vermeidung, Prokrastination, Perfektionismus.


Warum ist die Angst so stark?


  1. Biologische Wurzeln

    Unser Gehirn ist auf Überleben ausgerichtet. In der Urzeit war „Versagen“ oft mit realer Gefahr verbunden (z. B. Ausschluss aus der Gruppe). Diese alten Programme wirken bis heute, auch wenn es „nur“ um eine Prüfung oder ein Meeting geht.


  2. Soziale Dimension

    Wir sind soziale Wesen. Kritik, Ablehnung oder Blossstellung berühren unser Grundbedürfnis nach Zugehörigkeit.


  3. Individuelle Prägung

    Erfahrungen aus Kindheit und Jugend, etwa übermässiger Druck, Kritik oder fehlende Wertschätzung, können die innere Stimme formen, die uns heute noch sabotiert.


Folgen von Versagensangst


Wenn die Angst zu stark wird, blockiert sie Wachstum:


  • Prokrastination: Besser gar nicht erst anfangen, als am Ende „scheitern“.

  • Perfektionismus: Unerreichbare Standards, die jede Handlung lähmen.

  • Selbstsabotage: Unbewusst Situationen erzeugen, in denen man scheitert, um „Recht zu behalten“.

  • Stress & Erschöpfung: Dauerhafte Anspannung schwächt Körper und Psyche.


Ironischerweise führt die Angst vor dem Scheitern oft genau zu dem Ergebnis, das wir eigentlich vermeiden wollen.


Wie können wir der Angst begegnen?


  1. Die Angst anerkennen

Der erste Schritt ist nicht, die Angst wegzudrücken, sondern sie wahrzunehmen.

Sag dir: „Da ist gerade die Angst zu versagen. Sie will mich schützen. Aber sie bestimmt nicht über mich.“


  1. Gedanken hinterfragen

Ist es wirklich wahr, dass „alles vorbei“ ist, wenn ich scheitere?

In 90 % der Fälle ist das Worst-Case-Szenario viel weniger dramatisch, als die Angst uns glauben lässt.


  1. Fehler neu bewerten

Fehler sind nicht das Gegenteil von Erfolg, sie sind Teil des Weges dorthin.

Jeder Fortschritt im Leben besteht aus Versuchen, Irrtümern und Korrekturen.


  1. Selbstmitgefühl kultivieren

Anstatt dich innerlich zu geisseln, übe einen wohlwollenden Blick:

„Ich darf Fehler machen. Ich bleibe trotzdem wertvoll.“

Studien zeigen: Selbstmitgefühl stärkt Resilienz und Motivation nachhaltiger als Selbstkritik.


  1. Schrittweise Konfrontation

Wachstum entsteht an der Grenze der Komfortzone.

Starte klein, geh bewusst Situationen ein, in denen Fehler erlaubt sind. Mit jeder Erfahrung wächst die innere Sicherheit.


  1. Unterstützung annehmen

Manche Muster sind so tief verankert, dass sie sich nicht allein lösen lassen. Coaching oder Therapie können helfen, die Angst zu entmachten und neue innere Stimmen zu stärken.


Fazit: Versagen ist kein Ende – es ist ein Prozess


Versagensangst ist zutiefst menschlich. Sie zeigt uns, dass uns etwas wirklich wichtig ist.

Doch sie darf nicht zum Gefängnis werden.


Wenn wir lernen, die Angst zu erkennen, ihre Botschaft zu verstehen und ihr den Schrecken zu nehmen, entsteht Raum für Entwicklung.


Denn am Ende bedeutet „Scheitern“ nicht, dass wir wertlos sind, sondern nur, dass wir auf dem Weg sind.

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