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Sich selbst an erste Stelle setzen, ohne egoistisch zu werden

  • Autorenbild: yvonnebuttet
    yvonnebuttet
  • 18. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit
Sich selbst an erste Stelle setzen, ohne egoistisch zu werden

Viele Menschen zögern, wenn es darum geht, sich selbst als wichtigste Person im eigenen Leben zu sehen. Der Gedanke fühlt sich fremd an. Manchmal sogar falsch. Zu oft wurde uns beigebracht, dass Rücksicht, Anpassung und Funktionieren wichtiger sind als die eigene innere Wahrheit. Und doch zeigt sich irgendwann eine leise Erschöpfung. Ein Gefühl von innerer Leere. Oder der Eindruck, im eigenen Leben nur noch mitzuschwimmen. Sich selbst wichtig zu nehmen bedeutet nicht, andere abzuwerten. Es bedeutet, sich selbst nicht länger zu übergehen.


Warum wir uns selbst so oft hinten anstellen


Psychologisch gesehen lernen viele Menschen früh, dass Zugehörigkeit wichtiger ist als Authentizität. Das Liebe an Bedingungen geknüpft sein kann. Das man „brav“, „stark“ oder „hilfsbereit“ sein muss, um angenommen zu werden.

So entstehen innere Überzeugungen wie:


  • „Meine Bedürfnisse sind nicht so wichtig.“

  • „Ich darf andere nicht enttäuschen.“

  • „Ich muss erst leisten, um wertvoll zu sein.“


Diese Muster sind verständlich. Sie waren einmal Anpassungsstrategien. Doch im Erwachsenenleben führen sie oft dazu, dass wir uns selbst verlieren.


Sich selbst wichtig nehmen heisst nicht, immer egoistisch zu handeln


Ein häufiges Missverständnis ist, dass Selbstfürsorge Egoismus sei. Doch psychologisch betrachtet ist das Gegenteil der Fall. Wer sich selbst ständig übergeht:


  • wird innerlich leer

  • reagiert gereizter

  • verliert Klarheit

  • fühlt sich schneller ausgenutzt

  • brennt emotional aus


Sich selbst als wichtigste Person zu sehen heisst:


  • Verantwortung für das eigene innere Erleben zu übernehmen

  • die eigenen Grenzen zu kennen

  • sich selbst ernst zu nehmen, auch ohne äussere Bestätigung


Es geht nicht um „Ich zuerst gegen alle anderen“, sondern um „Ich bin Teil meines Lebens, nicht nur Zuschauer“.


Was es wirklich bedeutet, sich selbst wichtig zu nehmen


1. Die eigenen Gefühle gelten lassen

Gefühle müssen nicht logisch sein, um berechtigt zu sein. Wer sich selbst wichtig nimmt, bewertet seine Emotionen nicht ständig ab.

Nicht: „Ich sollte mich nicht so fühlen.“

Sondern: „So fühlt es sich gerade für mich an.“


2. Bedürfnisse wahrnehmen, ohne sie sofort zu rechtfertigen

Du musst keinen Grund liefern, um müde zu sein oder Abstand zu brauchen oder Nein zu sagen. Bedürfnisse sind keine Forderungen, sie sind innere Signale.


3. Grenzen setzen, ohne sich zu erklären

Grenzen sind kein Angriff. Sie sind ein Akt von Selbstachtung. Wer sich selbst wichtig nimmt, weiss: Ich darf mich schützen, auch wenn andere das unbequem finden.


4. Entscheidungen nicht nur für andere treffen

Viele Menschen gestalten ihr Leben danach, was erwartet wird, nicht danach, was stimmig ist. Sich selbst wichtig zu nehmen heisst, sich regelmässig zu fragen:


„Will ich das wirklich?“

„Tut mir das gut?“

„Entspricht das mir?“


5. Den inneren Kritiker erkennen

Oft ist es nicht die Aussenwelt, die uns klein hält, sondern die eigene innere Stimme:

„Reiss dich zusammen.“

„Du stellst dich an.“

„Andere haben es schwerer.“


Diese Stimme ist meist alt. Und sie darf hinterfragt werden.


Warum es sich anfangs falsch anfühlen kann


Wer beginnt, sich selbst wichtig zu nehmen, erlebt oft:


  • Schuldgefühle

  • innere Unruhe

  • Angst vor Ablehnung

  • Zweifel


Das bedeutet nicht, dass es falsch ist. Es bedeutet, dass du alte Muster verlässt. Wachstum fühlt sich selten sofort gut an. Aber es fühlt sich ehrlich an.


Fazit: Du bist nicht zu viel, du bist wesentlich


Sich selbst als wichtigste Person im eigenen Leben zu sehen heisst nicht:

immer stark zu sein, immer alles richtig zu machen oder perfekt mit sich umzugehen.


Es heisst:


  • sich nicht länger zu verlassen

  • sich selbst zuzuhören

  • sich innerlich an die Hand zu nehmen


Du bist die einzige Person, die dein Leben von Anfang bis Ende begleitet. Das macht dich nicht egoistisch. Das macht dich verantwortlich. Und vielleicht beginnt Selbstachtung genau dort, wo du aufhörst, dich selbst an letzte Stelle zu setzen.

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